AD: Alles Dürer! Der KPZ-Aktionsraum zur Ausstellung der Frühe Dürer

 

 

Die Besucher

Zahlen und Reaktionen

Die Ausstellung "Der frühe Dürer" im Germanischen Nationalmuseum zog über 280.000 Besucher an und war damit sogar fast so erfolgreich wie die Ausstellung des Jahres 1971, die über 300.000 Besucher hatte. Den Aktionsraum des KPZ besuchten ca. 30.000 Menschen. Da der Aktionsraum von der Hauptausstellung relativ weit entfernt war, wurde er leider trotz einer entsprechenden Ausschilderung nicht von allen Besuchern wahrgenommen. Berücksichtigt man die Tatsache, dass der Aktionsraum mit der Hauptzielgruppe Familien nur eine Teilgruppe der Gesamtbesucherzahl ansprach, dann sind die Besuchszahlen dennoch als großer Erfolg zu bewerten. Generell waren die Reaktionen der jungen Besucher, aber auch der Erwachsenen, sehr positiv. Im Besucherbuch schlug sich diese Begeisterung des Publikums in den vielen lobenden Kommentaren nieder.

 

 

Besucherumfrage

„Ja ganz toll, weil die haben das schön für die Kinder gemacht und auch für die Eltern ist das interessant und das ist so mehr eine kleine Albrecht-Dürer-Welt. Da kann man alles ausprobieren.“ (Besucher, 9 Jahre)

Am 29. und 30. August 2012 führte das KPZ qualitative Interviews mit Besuchern des Aktionsraums durch, um Informationen über das Nutzerverhalten zu gewinnen und die Resonanz des Angebots zu dokumentieren. Die Auswertung der Interviews lässt einige allgemeine Aussagen über die Wahrnehmung des Aktionsraums zu.

Generell hoben die meisten Befragten positiv hervor, dass im Aktionsraum die Möglichkeit bestand, selbst aktiv zu werden und Dinge auszuprobieren.

„Was natürlich immer toll ist, wenn die Kinder selber irgendwas anfassen können, irgendwas machen dürfen und dadurch wird das gleich spannender oder besser erlebbar.“ (Besucherin, 41 Jahre)

Die Frage nach der beliebtesten Station ergab erwartungsgemäß, dass die Monsterbau-Station (AD erfindet...) besonders begeisterte, doch auch die Stationen „AD staunt…“ und „AD erzählt…“ wurden häufig hervorgehoben. Vermutlich trugen die klare Handlungsanweisung und der ausgeprägte Spielcharakter dieser beiden Stationen zur Beliebtheit bei:

„Mir hat am besten jetzt gerade am Schluss noch die Krippenszene gefallen, weil sie einfach so handgreiflich ist. Weil die Kinder die Dinge anfassen können, die auf dem Bild drauf sind und man die dann dazu suchen kann, wo befinden die sich auf dem Bild. Das spornt die Kinder an, sich die Bilder genauer anzuschauen.“ (Besucherin, 52 Jahre)

Die Monsterbaunische war sicherlich durch die überraschende ästhetische Wirkung, den Spielcharakter und die Möglichkeit, ein Foto zur Erinnerung mitzunehmen, für viele Besucher das Highlight. Erfreulich ist, dass das Bewusstsein für den kompilatorischen Prozess bei der Gestaltung der Fabelwesen frei nach Dürer geschärft werden konnte:

„Ich fand das mit den Monstern gut, weil man einfach gesehen hat, das hat er verwendet und (...) man musste ja auch überlegen, wie man das jetzt macht, welches Teil man da jetzt verwendet. So hat es Albrecht Dürer vielleicht auch gemacht, und das fand ich ganz gut.’“ (Besucherin, 11 Jahre)

Die Mehrzahl der Befragten gab an, dass sie zunächst die Hauptausstellung und dann den Aktionsraum besucht hätten. Dies war sinnvoll, da die Besucher den engen Bezug zwischen Hauptausstellung und Aktionsraum wahrnehmen und letzteren somit als Vertiefung schätzen konnten:

„Ich hab ganz viel wiedererkannt aus der Ausstellung und ich glaube, dadurch, dass man dann etwas macht mit diesen Bildern aus der Ausstellung, dass sich das dann dadurch vertieft bei den Kindern. Du hast auch einige Bilder gleich wieder erkannt und andere dann so im Laufe des Spiels wieder erkannt und viel mehr Einzelheiten erkannt, die du dann sonst vielleicht gar nicht gewusst hättest oder ich auch nicht gewusst hätte. (…) und ich glaube, dass das dadurch viel besser im Gedächtnis bleibt durch diesen Aktionsraum.“ (Mutter einer 8jährigen Tochter, 42 Jahre)

Einige der Befragten gaben aber auch an, nach dem Besuch der Hauptausstellung bereits erschöpft gewesen zu sein. Auch die Bereitschaft zum Lesen der Texte war daher teilweise eingeschränkt. Dennoch wurden die Texte von den Erwachsenen als kindgerecht und passend bewertet:

„In einfachen Worten, nur die wichtigsten Zahlen, die man sich leicht merken kann und vor allem, das war für Kinder total toll. Und mehr braucht man eigentlich auch nicht. So gerade die Lebensgeschichte in ganz groben Zügen und die ist ganz kindgerecht, so dass man sich das auch merken kann.“ (Besucherin, 46 Jahre)

Ein Junge bestätigte außerdem seine große Zufriedenheit über die eigene Lesekompetenz, die die „Übersetzungshilfe“ der Erwachsenen überflüssig machte:

„Man hat schnell was verstanden, musste nicht überlegen ‚Mh, was bedeutet jetzt das Wort‘, musste nicht bei meiner Mutter nachfragen. Das fand ich eigentlich ganz praktisch.“ (Besucher, 8 Jahre)

Die meisten Besucher bewerteten auch die Klappen mit den darunter verborgenen Vertiefungstexten positiv:

„Ja, also sie haben neugierig gemacht diese Klappen. Man hat sich’s angeschaut und sich gefragt, was kommt jetzt da, was könnte das sein. Und es war eine kurze, kindgerechte Erklärung darunter, fand ich auch sehr interessant. Und ich denke mal, es hat alles einen Bezug gehabt zu den Werken, die man vorher gesehen hat, das hat mir auch sehr gefallen. Es war nicht an den Haaren herbeigezogen (…), sondern man konnte dann einfach so Verbindungen herstellen.“ (Besucherin, 42 Jahre)

Ohne dass diese explizit gefragt wurden, äußerten mehrere der Befragten, dass sie das Gesehene als Inspiration für zukünftige eigene Vorhaben nutzen wollten. Dies darf als besondere Bestätigung der intendierten aktivierenden und anregenden Wahrnehmungsschulung des Aktionsraums verstanden werden:

Ohne dass diese explizit gefragt wurde, äußerten mehrere der Befragten, dass sie das Gesehene als Inspiration für zukünftige eigene Vorhaben nutzen wollten. Dies darf als besondere Bestätigung der intendierten aktivierenden und anregenden Wahrnehmungsschulung des Aktionsraums verstanden werden:

Dass die Besucher durchaus auch kritisch mit dem Angebot umgingen und sich mit den Möglichkeiten des Aktionsraums auseinandersetzten, ist den Reaktionen auf die Frage nach Verbesserungsvorschlägen zu entnehmen. Hier wurden teilweise konkrete Wünsche geäußert, beispielsweise der Wunsch nach einer Station zu den von Dürer verwendeten Farben oder der Vorschlag, die Klappentexte für ein Frage-Antwort-Spiel zu nutzen und damit den aktivierenden Spielcharakter noch zu stärken:

„Ich denke, das hätte man noch etwas auf die moderne Zeit aufpeppen können und vielleicht auch hinter den Klappen eher so Frage-Antwort-Spiel machen können. Dass man hinter den Klappen irgendwelche Antworten verbirgt, davor irgendwelche Fragen stellt und so, vielleicht eher in die Richtung.“ (Vater eines 12jährigen Besuchers)

Auf die Frage, ob sie vergleichbare Angebote in Museen kennen, verwiesen die meisten der Befragten auf Technikmuseen, wo ihnen interaktive Stationen und museumspädagogische Einrichtungen bekannt seien. Im Bereich eines kunst- und kulturhistorischen Museums nahmen sie den Aktionsraum als Besonderheit und Alleinstellungsmerkmal wahr:

„Es sind zwar immer so Aktionsbereiche für Kinder, aber gerade im Gemäldebereich gibt’s nicht viel für Kinder (…). Also wir sind schon viel in Gemäldeausstellungen (…) aber da ist wirklich gar nichts für Kinder. (…) Und das fehlt vielfach, und das ist traurig und deshalb werden auch gerade Gemäldegalerien vielfach gemieden, weil die einfach stinklangweilig sind. (…).“ (Besucherin, 46 Jahre)

Als Fazit bemerkten die erwachsenen Besucher oft, dass der Aktionsraum ihnen auch als Erwachsene gut gefallen und ein Mehr an Erfahrung und Wissen erbracht hat. Eine einfache, auf wesentliche Punkte reduzierte Vermittlung sei auch für Erwachsene sinnvoll:

„Also ich fand schon, dass das einem so nochmal ein paar Punkte bewusst macht (…). Und manchmal denke ich, es gibt ja so Erwachsenführungen, da gibt es so unendlich viele Details, das kann ich mir sowieso alles nicht so genau merken. Wenn man für die Erwachsenen eher so eine reduzierte Vorstellung oder Führung machen würde, dass man sich wenigstens ein paar wichtige Punkte merken kann, so wie man das bei den Kindern macht, fände ich manchmal gar nicht so schlecht.“ (Besucherin, 41 Jahre)

Zwei junge Besucher bemerkten, dass sie sich vermutlich Inhalte besser merken konnten, nachdem sie sich handlungsorientiert und mit intensiverer Konzentration damit beschäftigt hatten

„Ja, also es bleibt halt einfach mehr hängen, man vergisst nicht so schnell alles wieder, weil man sich ja erinnert ‚Ach ja, das war ja das Bild, was man damals abgezeichnet hatte‘.“ (Besucherin, 15 Jahre)

„Und weil wir da auch solche Aktionen machen konnten, ich denke, dass man sich das auch besser merken kann, als wenn man sich das nur anschaut.“ (Besucherin, 9 Jahre)

Mehrfach wurde der Wunsch nach einem dauerhaften museumspädagogischen Angebot in Form eines eigenen Raumes oder nach dem Fortbestehen des Aktionsraums „AD: Alles Dürer“ geäußert. Die große Mehrheit der Besucher zeigte sich begeistert, ähnlich wie diese Besucherin:

„Wir haben alle Stationen durchprobiert und ich habe es unglaublich vielseitig gefunden und die Kinder konnten an allen Stationen selbst tätig werden und das fand ich großartig. Und obwohl wir schon vorher zwei Stunden unten waren und daher schon recht müde waren, haben wir uns jetzt noch eine Stunde darin aufgehalten. Ich glaube Anja hat vorhin gesagt, dass dies der schönste Raum, der schönste Teil der Ausstellung war.“ (Besucherin, 42 Jahre)

 

 

Zum Seitenanfang Seite weiterempfehlen Stand: 19.12.2012, 12:07 Uhr

 

Logo Stadt Nürnberg Logo GNM Das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ)
ist eine gemeinsame Einrichtung der Stadt Nürnberg und der Stiftung Germanisches Nationalmuseum.