AD: Alles Dürer! Der KPZ-Aktionsraum zur Ausstellung der Frühe Dürer

 

 

Die Ausstellung "Der frühe Dürer"

41 Jahre nach der großen Nürnberger Dürer-Ausstellung des Jahres 1971 präsentierte das Germanische Nationalmuseum vom 25. Mai bis zum 02. September 2012 eine umfangreiche Dürer-Ausstellung, die das Werk des „frühen Dürer“ bis zum Jahr 1504 thematisierte. Die Ausstellung basierte auf einem dreijährigen, internationalen Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse einem breiten Publikum präsentiert wurden. In bewusster Abkehr von einem biografisch-chronologischen Zugang gliederten die Kuratoren die Ausstellung nach übergreifenden Inhalten und Themen. Schwerpunkte bildeten die Einbettung Dürers in den kulturhistorischen Kontext, die Analyse des ihn prägenden unmittelbaren Umfelds, seine Auseinandersetzung mit andern Künstlern, seine Bildstrategie und die Frage nach den innovativen, modernen Prinzipien seiner Kunst. Besonderes Augenmerk legten die Kuratoren von Anfang an auf die Vermittlung der Forschungsergebnisse und der wissenschaftlichen Methoden. Als Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft bietet das Germanische Nationalmuseum (www.gnm.de) vielfältige Möglichkeiten der Vermittlung von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen an eine breite Öffentlichkeit. In der Ausstellung „Der frühe Dürer“ wurden die Inhalte mittels Audioguide, knapp und verständlich formulierten Saal- und Objekttexten sowie einem umfangreichen Führungsprogramm des KPZ vermittelt und die Exponate dem Besucher dadurch nahegebracht. Zwei ergänzende Ausstellungsräume – das Dürer-Labor und der Aktionsraumdes KPZ AD: Alles Dürer – erweiterten das Vermittlungsangebot: Im Dürer-Labor stand das Forschungsprojekt „Der frühe Dürer“ im Mittelpunkt. Verschiedene, teils provozierende Thesen zu Dürers frühem Schaffen wurden hier schlaglichtartig beleuchtet, um Fragen und Erkenntnismöglichkeiten der Forschung anschaulich zu machen. Die Visualisierung der Forschungen zur Nachbarschaft Dürers in der Burgstraße nahm darin breiten Raum ein, außerdem konnten die Besucher Einblicke in kunsttechnologische Untersuchungsmethoden gewinnen.

 

Alle drei Ausstellungseinheiten wurden vom selben Architekturbüro gestaltet und waren durch eine gleichartige Beschilderung in der Eingangshalle des Germanischen Nationalmuseums ausgewiesen.

 

Statements der Kuratoren zur Vermittlung bei der Ausstellung „Der frühe Dürer“ und zum Aktionsraum „AD: Alles Dürer“

 

Dr. Thomas Eser:
„Ehrlich gesagt hatte ich als altmodischer Kunsthistoriker zunächst das Vorurteil vom „Spielplatz“ gehabt. Gedacht für Kinder, während die Erwachsenen vor den Originalen ungestört ihre edle Dürer-Erfahrung haben sollten. ... Doch weit gefehlt. Der Aktionsraum leistete mit seinen drei Angeboten Selbermachen, Sinnlichkeit und Gruppenhandeln weit mehr, als ein bloßer Familienservice. Besonders wirkungsvoll war der leise Humor, in den vieles an Information gekleidet war, und der den Lernstoff Dürer anders, aber mindestens ebenso wirkungsvoll erschloss, wie die “ernsten“ Informationen von Audioguide und Saaltexten. Weil die Kojen im Westkopf eher diskret angelegt sind, stellte sich beim Rundgang immer wieder die spannende Frage, wer wohl gerade in der nächsten Aktionsnische sitzt und werkelt. Meist waren es Kinder und Erwachsene, letztere sogar oft ohne Kinderbegleitung. Dürer löste also über alle Altersgrenzen hinweg kreative Schübe aus. Und die Porträt-Fotos der Monster-Koje (Galerie: Monster) wurden schnell Kult als Erinnerungsmedium an den gesamten Ausstellungsbesuch, auch bei „alten“ eigenen Freunden ...“

Dr. Daniel Hess:
„Die Vermittlung der neuen Erkenntnisse und Fragestellungen war uns bei den Planungen zur Ausstellung „Der frühe Dürer“ besonders wichtig. Dürer sollte nicht nur bewundert, sondern entdeckt und verstanden werden können. Einfache, klare Texte mit teilweise überraschenden und kontroversen Fragestellungen regten zum Nachdenken an und erschlossen auch dem nicht fachkundigen Besucher die Konzeption und Inhalte der Ausstellung. Die vielen positiven Rückmeldungen zeigen uns, dass genau das beim Publikum sehr gut ankam. Im Rahmen unserer Ausstellung ließ sich Forschung anschaulich und allgemein verständlich vermitteln. Dieses Anliegen verfolgte auch der museumspädagogische Aktionsraum. Es hat mich fasziniert zu sehen, wie begeistert sich Kinder und Erwachsene im heutigen Medienzeitalter auf die dort angewendeten traditionellen, sozusagen „analogen“ Vermittlungsmethoden eingelassen haben. Kreativität kommt am unmittelbarsten im eigenen Tun und Experimentieren zum Ausdruck; dafür muss man nicht zwingend in virtuelle Welten eintauchen. Eindrucksvoll verdeutlichte dies die Zeichenecke, in der Kinder hoch konzentriert die komplizierte Form der Distel aus Dürers frühem Werk abzeichneten. Durch solche Angebote werden Museen in einer sich stetig beschleunigenden Zeit zu Orten einer anderen Geschwindigkeit und fördern mit vielfältigen Anregungen und Vermittlungsformen die Aufmerksamkeit und Kreativität der jungen wie auch der älteren Besucher.“

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Zum Seitenanfang Seite weiterempfehlen Stand: 19.12.2012, 12:08 Uhr

 

Logo Stadt Nürnberg Logo GNM Das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ)
ist eine gemeinsame Einrichtung der Stadt Nürnberg und der Stiftung Germanisches Nationalmuseum.