AD: Alles Dürer! Der KPZ-Aktionsraum zur Ausstellung der Frühe Dürer

 

 

Konzept

Begleitend zur Ausstellung „Der frühe Dürer“ im Germanischen Nationalmuseum erarbeitete das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) einen didaktischen Aktionsraum für Familien und Kinder. Die kindgerechte Vermittlung von Wissen und Fragen rund um das Thema Dürer und Dürer-Forschung stand dabei im Mittelpunkt. Die Ausstellungsbesucher schlüpften in die Rolle von Forschern, um das frühe Werk Dürers unter die Lupe zu nehmen. Der Aktionsraum stellte einen speziell auf die Bedürfnisse jüngerer Besucher zugeschnittenen Erfahrungsbereich dar, in dem das in der Hauptausstellung Gesehene auf spielerische Weise vertieft wurde.

Die Zielgruppe

Der Aktionsraum war als museumspädagogisches Angebot für Kinder und Erwachsene gleichermaßen gedacht, richtete sich aber vornehmlich an Familien und Kinder (Die Besucher). Diese Gruppe stellt innerhalb der Museumsbesucher eine ebenso große wie heterogene Zielgruppe dar und zeichnet sich durch besondere Bedürfnisse in Bezug auf den Besucherservice aus. Insbesondere kennzeichnet die Familie der Wunsch nach (intergenerativer) Kommunikation, Interaktivität und Handlungsaktivierung. Für Familien sind besonders Themen interessant, die gemeinsam bearbeitet und besprochen werden können und die Anknüpfungspunkte an die Erfahrungswelt der Familienmitglieder haben.

 

Der Titel

Der Titel „AD: Alles Dürer“ zog sich leitmotivisch durch den Aktionsraum, da er zugleich das Monogramm Albrecht Dürers als auch den Titel meinte. AD stand in allen Texten als Kürzel für Dürer.

Der Raum

Der KPZ-Aktionsraum wurde im 1. OG über der Eingangshalle des GNM eingerichtet. Der annähernd rechteckige Raum ist ca. 240 m2 groß. Für die Gestaltung zeichnete das Architekturbüro Würth&Winderoll verantwortlich, das auch die Hauptausstellung „Der frühe Dürer“ konzipierte.

 

Entlang der Wände zog sich die sogenannte „Lebenslinie“ in Form einer abstrahierten Pinselspur. Die hier aufgereihten Textblöcke boten sowohl einen biografischen als auch thematischen Überblick über Dürers Leben und Werk von seinem Geburt 1471 bis zum Jahr 1504. Texttafeln, die von jung und alt gelesen werden, müssen besondere Anforderungen an Allgemeinverständlichkeit und Anschaulichkeit erfüllen. Alle Texte dieses Ausstellungsbereichs wurden daher im Vorfeld bei einem Lesetest mit Kindern verschiedenen Alters auf eine kindgerechte Formulierung hin überprüft.

Auf der Lebenslinie kamen verschiedene Darstellungs- und Kommunikationsformen zum Einsatz. Biografische Informationen wechselten ab mit weiterführenden thematischen Texten, die unter Klappen verborgen waren.

 

Visualisierungsobjekte wie ein Abreißkalender mit dem Geburtsdatum Dürers zu Anfang der Präsentation bezogen Gegenstände des modernen Alltags mit ein und sorgten für Irritation und Erheiterung mit dem Ziel der besseren Einprägsamkeit von Wissensinhalte.

Außerdem wurde die Lebenslinie durch mehrere handlungsorientierte Stationen unterbrochen.

Station Silberstiftzeichnung

Ausgangspunkt für diese Station war das Selbstbildnis Dürers, das er im Jahr 1484 als Silberstiftzeichnung anfertigte. Diese Zeichnung aus der Wiener Albertina war einer der Höhepunkte der Hauptausstellung und bot sich als frühes Werk des 12- oder 13jährigen Dürer als Identifikationsobjekt gerade für Kinder an. Während das Thema Selbstbildnis vertraut war, erregte die vielen unbekannte Technik der Silberstiftzeichnung großes Interesse. Die Station informierte über die Besonderheit dieser Technik und dass sie nur auf speziell grundiertem Papier funktioniert. Von großer Bedeutung war die haptische Erfahrung mit dem Silberstift und seiner technischen Qualität beim Ausprobieren auf grundiertem Papier.


Albrecht Dürer: Selbstbildnis als Knabe, 1484, Silberstift auf grundiertem Papier, Wien, Albertina.

 

Station Kissen

Dürers Zeichnung "Selbstbildnis und sechs Kissen" zeigt auf der einen Seite ein Selbstbildnis Dürers, eine Studie seiner Hand und die Zeichnung eines Kissens, während auf der Rückseite sechs weitere Studien von Kissen zu sehen sind. Als Beispiel für Dürers ausgereifte Zeichentechnik belegt sie sein großes Interesse an der sichtbaren Wirklichkeit. Die Besucher erfuhren, wie intensiv Dürer Gegenstände der Alltagswelt studierte. Auch ein zerknautschtes Kissen diente ihm als wertvolles Studienobjekt, mit dessen Hilfe er Licht und Schatten sowie unterschiedliche Faltenwürfe erforschte. So schulte er seine Fertigkeiten, um beispielsweise Gewänder darstellen zu können. Die Besucher konnten es ihm nachmachen und Kissen in verschiedenste Formen bringen. Die Aufgabe lud unmittelbar zur Interaktion ein. Anschaulich und sinnlich wurde vermittelt, wie kreativ der Umgang mit einem alltäglichen Objekt sein kann, verbunden mit der Fragestellung, ob sich – ähnlich wie bei Dürer – Gesichter oder Landschaften in den Faltenformationen erkennen lassen.

 

Station Naturstudium

Ein digitaler Bildschirm an der Wand zeigte Videoaufnahmen von Naturdetails, z.B. Blumen, Spinnweben und Muscheln in Großaufnahme. Mit dem Mittel der für die Besucher gewohnten medialen Bildwelten konnte ein zeitgenössisches Äquivalent für Dürers intensiven Blick auf die Natur gefunden werden. Die Station sollte dazu ermuntern, eine ähnlich fokussierte Haltung in Bezug auf die Wahrnehmung der Natur einzunehmen.

 

Station: Landschaften bauen

Diese Station ging thematisch von den Landschaftsaquarellen Dürers aus. Sie sind einerseits Darstellungen seiner heimatlichen Umgebung zu Studien- und Repräsentationszwecken als auch Dokumente seiner Reiseerfahrungen. Im Aktionsraum wurde vermittelt, dass es sich dabei nicht immer um genaue topografische Ansichten handelt, sondern dass Dürer in Landschaftszeichnungen wie auch bei den Gemäldekulissen in der Regel ideale Landschaften konstruierte. Die Besucher konnten nachvollziehen, wie ein Landschaftsprospekt aufgebaut ist, um z.B. Tiefe zu erzeugen. An der Wand befanden sich zwei Reproduktionen von Dürer-Aquarellen in Leuchtkästen. Sie inspirierten die Besucher dazu, selbst zu Konstrukteuren von Landschaften zu werden. Auf einem Sockel darunter konnten sie auf einer Grundplatte mit zahlreichen Schienen aquarellierte Farbflächen wie bei einem Papiertheater hintereinander staffeln und so Landschaftsräume bauen.

 

Galerie: Schülerporträts in Auseinandersetzung mit Dürer

Das Thema Selbstbildnis ist ein faszinierendes Phänomen der frühen Werkphase Dürers. in mehreren berühmten Selbstbildnissen hat Dürer sich selbst dargestellt und seine Person dabei jeweils unterschiedlich inszeniert. Dabei spielte er mit verschiedenen Posen und Attributen, nicht zuletzt, um sein Können bei späteren Auftraggebern unter Beweis zu stellen. In einer Kooperation des KPZ mit Schülern dreier Klassen des Dürer-Gymnasiums Nürnberg entstanden fotografische Selbstbildnisse von Jugendlichen in Auseinandersetzung mit Dürer. Wie sehen Jugendliche sich heute selbst, welche Attribute, Kostüme, Posen und Settings wählen sie für ihre Selbstdarstellung? Die fotografischen Selbstbildnisse der Schüler wurden neben Reproduktionen der Dürer-Selbstbildnisse aus Paris, Madrid und München in einer Bildergalerie präsentiert (Galerie: Schülerporträts.

 

Medienstation: Dürer auf youtube

Dürer war versiert im Bereich der Selbstdarstellung und Selbstvermarktung. Die repräsentativen Selbstbildnisse, die Vermarktung seiner Druckgrafik und ein großes Netzwerk von Förderern waren Ausdruck seiner ambitionierten Selbstinszenierung. Wäre Dürer ein Zeitgenosse des 21. Jahrhunderts, so verfügte er vermutlich über eine umfassende Präsenz im Internet mit eigener Homepage, Online-Shop und Facebook-Account. In Kooperation mit der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg entstanden als Semesterarbeiten von Studierenden kurze Videos zur Fragestellung, wie sich der Malerstar Dürer heute präsentieren würde. Diese Arbeiten waren im Internet auf youtube zu sehen und liefen im Aktionsraum an zwei PC-Stationen.
Die Dürer-Videos von Studierenden des Studienganges "Cast" der Georg-Simon-Ohm Fachoberschule finden Sie unter: www.youtube.com

 

Die Nischen als Orte handlungsorientierter Wissensvermittlung

Als zweites Gliederungselement dienten die sechs Nischen, die von den Wänden in der Mitte des Raumes gebildet werden ( AD lebt..., AD staunt…, AD erforscht…, AD erfindet…, AD beobachtet sich…, AD erzählt…). Die Themen der Nischen waren chronologisch den Etappen auf Dürers Lebenslinie an der Wand gegenüber zugeordnet. Kurze Überschriften machten neugierig auf die dargestellten Inhalte. Knappe Erläuterungen boten Orientierung und erklärten, wie die Angebote zu nutzen waren. In den Nischen kamen jeweils methodisch unterschiedliche Ansätze zum Tragen. Die Aufgaben bzw. Handlungsangebote ermunterten die Besucher zum Assoziieren, Suchen, Spielen, Zeichnen, Rätseln, Komponieren und Vergleichen. Ebenfalls sollten durch die gemeinsame Tätigkeit Kommunikation und ein soziales Erleben gesteigert werden. Alle methodischen Ansätze zielten darauf ab, die Aufmerksamkeit für das Gesehene zu vertiefen und die Wahrnehmung zu steigern.

Zum Seitenanfang Seite weiterempfehlen Stand: 03.01.2013, 10:45 Uhr

 

Logo Stadt Nürnberg Logo GNM Das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ)
ist eine gemeinsame Einrichtung der Stadt Nürnberg und der Stiftung Germanisches Nationalmuseum.