Projekt „10 x 10 ins Museum geh'n!“

10 x 10 ins Museum geh´n!
Projektrunde 2
Schuljahr 2011-12
Förderklassen ab der 5. Jahrgangsstufe
Projektbericht 7/2011-10/2012

von Dipl. Rel. Päd. Astrid Seichter

Projekt

„10 mal ins Museum gehen!“, so lautete die Aufforderung für 10 Förderklassen von der 5. bis zur 9. Jahrgangsstufe im Schuljahr 2011/2012. Sie hatten die Möglichkeit jeweils 10 Angebote des KPZ in verschiedenen Nürnberger Museen wahrzunehmen. Die Klassen wurden immer von der gleichen Museumspädagogin/ dem gleichen Museumspädagogen angeleitet, der/ die die Vorbereitung der Veranstaltung in enger Abstimmung mit der Lehrkraft vornahm. Als Grundlage für die Veranstaltungen dienten die altersspezifischen Angebote aus dem KPZ-Standardprogramm „Museum und Schule 2011/12“. Es fanden innerhalb des Projektes 94 Einzelveranstaltungen statt.

Fünf Nürnberger Förderschulen nahmen an diesem Projekt mit insgesamt zehn Klassen teil. Das KPZ organisierte das Projekt und stellte Eigenmittel zur Verfügung. Ein Großteil der entstehenden Kosten wurde von der Sparkasse Nürnberg übernommen. Das an die Evangelische Hochschule Nürnberg angegliederte „Institut zur Praxisforschung und Evaluation“ führte die Evaluation des Projektes durch.

Ziel der Projektes war die nachhaltige kulturpädagogische Förderung der Klassen durch Impulsveranstaltungen.

„Kulturelle Bildung bedeutet Bildung zur kulturellen Teilhabe. Kulturelle Teilhabe bedeutet Partizipation am künstlerisch kulturellen Geschehen einer Gesellschaft im Besonderen und an ihren Lebens- und Handlungsvollzügen im Allgemeinen. Kulturelle Bildung gehört zu den Voraussetzungen für ein geglücktes Leben in seiner personalen wie in seiner gesellschaftlichen Dimension. Kulturelle Bildung ist konstitutiver Bestandteil von allgemeiner Bildung.“

Die Schülerinnen und Schüler der Förderschulen kamen meist aus sogenannten „bildungsfernen“ Familien. Das Projekt bot den einzelnen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit der kulturellen Teilhabe.

Evaluation des Projektes

Zweck

Bei der Evaluation des Projektes sollte die Wirksamkeit der kulturellen Teilhabe untersucht werden.

Welche Auswirkung hat der monatliche Kontakt mit Museen verschiedenster Art auf die Jugendlichen? Hat es Auswirkung auf ihre Kreativität, ihren eigenen künstlerischen Ausdruck, das Erkennen von interkulturellen Lebenszusammenhängen oder der Reflexion ihrer eigenen kulturellen Herkunft?

Reichweite

Das Projekt zeigt mit den 10 teilnehmenden Klassen einen repräsentativen Schnitt der Nürnberger Förderschulen. Hier ist ein Übertrag des Ergebnisses auf die Nürnberger Förderschulen möglich. Für eine Übertragung auf bayrische Förderschulen im Allgemeinen ist die Anzahl der teilgenommenen Schülerinnen und Schüler zu klein. Eine Schwachstelle für die Evaluation war die sich verändernde Schülerzahl innerhalb des Projektzeitraumes in den höheren Klassen und die längerfristige Erkrankung zweier Lehrkräfte. Trotzdem sind Tendenzen übertragbar.

Inhalte und Aufbau der Studie

Der erste Teil der Evaluation setzte direkt bei den Jugendlichen an. Die einzelnen Schülerinnen und Schüler wurden über Fragebögen zweimal im Laufe des Projektes befragt. Die erste Befragung fand zu Beginn des Projektes statt, die zweite Befragung am Ende des Projektes. Ebenso wurden dazu parallel Klassen als Kontrollgruppe befragt, die nicht am Projekt teilnahmen.

Der zweite Teil der Evaluation setzte bei den Lehrkräften der Klassen an. Diese füllten anhand vorgegebener Kriterien bewerteten.

Die Fragebögen, die die Schülerinnen und Schüler eigenständig beantworteten, waren auf die Tabelle der Lehrkräfte abgestimmt, so dass die Ergebnisse verglichen werden konnten.

Die Planungsphase des Projektes begann im ersten Halbjahr 2011. Von September 2011 bis Juli 2012 fanden die Einzelveranstaltungen statt.

Die Fragestellungen entwickelten sich aus der Definition des Begriffs „Kulturelle Bildung“.

Nach der oben stehenden Definition von Karl Ermert wurde der Schwerpunkt der Evaluation für das Projekt auf die Förderung der eigenen Kompetenz der Lebensgestaltung gelegt.

Das geschieht vor allem durch

  • die Förderung der Kreativität,

  • die Sensibilisierung für den eigenen künstlerischen Ausdruck,

  • die Fähigkeit interkulturelle Lebenszusammenhänge zu erkennen und

  • soziokulturelle Zusammenhänge zu entdecken.

Für die Evaluation wurden daraus 4 Abfragefelder entwickelt, sogenannte Items.

  1. Kreativität

  2. Sensibilisierung für den eigenen künstlerischen Ausdruck

  3. Interkulturelle Lebenszusammenhänge

  4. Soziokulturelle Bildung

Diese 4 Items wurden beschrieben, so dass alle Lehrkräfte von der gleichen Definition ausgingen. Jeder der 4 Items wurde dann jeweils in drei Opera, also konkrete Handlungsfelder unterteilt. Diese insgesamt 12 Operas bildeten sowohl für die Schülerfragebögen, als auch für die Tabellen der Lehrkräfte die Grundlage.

In den Tabellen waren die Operas und Items direkt genannt, im Fragebögen der Schüler über Beispiele erklärt.

Die konkrete Beschreibung der Items und Operas:

Zu A. Kreativität

Das Item „Kreativität“ wurde in Anlehnung an die 1950 verfassten Merkmale der Kreativität von Joy Paul Guilford, in die drei Operas Problemsensitivität, Flexibilität, Originalität/Flüssigkeit eingeteilt.


Beim Konkretisieren der Operas wurde der Schwerpunkt im schulischen Bereich gewählt, denn die Lehrkräfte begegnen ihren Schülerinnen und Schüler nur in diesem Umfeld. So konnte die erste Opera „Problemsensitivität“ konkretisiert werden durch z.B. das Einbringen einer neuer Sitzordnung, die Mitentwicklung der Pausenhofgestaltung, der Benennung eines Ausflugszieles oder der Umgang mit einer neuen Klassensituation. Im Opera „Flexibilität“ ging es um die Möglichkeit die eigene Meinung zu ändern, sich auf neue Situationen einzustellen, die gewohnten Wege des Denkens zu verlassen oder neue Sichtweisen entwickeln zu können. Die dritte Opera „Flüssigkeit/ Originalität“ besetzt sowohl die Fähigkeit in kurzer Zeit verschiedene Ideen zu entwickeln, was im Mathematikunterricht ebenso gilt wie für alle anderen Situationen in denen Ideen entwickelt werden müssen, als auch Originalität beim Schreiben von Texten, den Einsatz von Materialien im Kunstunterricht, also immer dann, wenn die Schüler sich selbst mit eigenen Ideen einbringen können.

Zu B. Sensibilisierung für den eigenen künstlerischen Ausdruck

Das Item „Sensibilisierung für den eigenen künstlerischen Ausdruck“ wurde in die Operas Ästhetik, Originalität und künstlerisches Potential unterteilt.

„Originalität“ wurde über eigene Ideen bei allen Arten gestalterischen Handelns abgefragt. Im Opera „Ästhetik“ kann jeder Bereich, der in der Schule nach Gestaltung fragt, erfasst werden, wie z.B. die Erstellung eines Plakates, das Gestalten des Heftes oder das Einbringen der eigenen Musik in den Unterricht, oder das Umsetzen eines Gedichtes in einem modernen Musikform. Das „künstlerische Potential“ bezog sich für die Lehrkraft überwiegend auf den Kunstunterricht, die Jugendlichen wurden auch auf die Möglichkeiten in ihrer Freizeit hingewiesen, wie das Filmen oder das Erstellen ihrer Profilfotos in den Social Medias oder das Sprayen im legalen Bereich.

Zu C. Interkulturelle Lebenszusammenhänge

Alle teilnehmenden Klassen sind multinational, multikulturell und multireligiös. Als Operas wurden das Erkennen kultureller Hintergründe, das Erkennen von Vorurteilen, als auch Toleranz gewählt.

Hier sollten die die Schülerinnen und Schüler die Zusammenhänge, in denen sie leben herstellen und reflektieren, z.B. die verschiedenen Verhaltensformen in der Schule und/oder zu Hause. Bei dem Opera „kulturelle Hintergründe“ geht es nicht nur um das Benennen oder Erkennen der Verschiedenheit, sondern das Erforschen und Entdecken der Hintergründe. Vorurteile sind vorhanden, aber es geht um deren Reflexion und im letzten Opera geht es um die Fähigkeit Gegensätze zu tolerieren. Gerade in den Förderschulen sind viele verschiedene kulturelle, religiöse und nationale Hintergründe vorhanden, dass diese Themen ein ständig begleitender Faktor des schulischen Lebens sind.

Zu D. Soziokulturelle Bildung

Sozialsysteme, geschichtliches Bewusstsein und Eigenständigkeit der eigenen Kultur sind die ausgewählten Operas in diesem Item.

Im ersten Opera geht es um das Unterscheiden, der Sozialsysteme, in denen die Jugendlichen leben, wie z.B. Elternhäuser, Sportvereine, ihre Peergroup oder auch die Schule. Der Bereich „geschichtliches Bewusstsein“ bezieht sich auf die Reflexion geschichtlicher Ereignisse, sowohl in Deutschland als auch den Herkunftsländern. Die dritte Opera hinterfragt das Bewusstsein der Verschiedenheit der kulturellen Hintergründe.

Durchführung der Evaluation

Es wurden folgende Vergleiche gezogen.

  • Die Mittelwerte der einzelnen Klasse im Vergleich Oktober - Juli über die Fragebögen.

  • Bei den Fragebögen der Schülerinnen und Schüler wurden die Mittelwerte mit denen der Kontrollgruppe verglichen.

  • Ebenso wurden die Mittelwerte zwischen der Schülergruppe (Fragebögen) und der Lehrkraft (Tabelle) innerhalb einer Klasse verglichen.

  • Vergleich der Mittelwerte der einzelnen Klassen (Zusammenfassung Fragebögen und Tabelle) von Oktober - Juli

  • Die Mittelwerte der einzelnen Klasse im Vergleich Oktober - Juli über eine Tabelle.

  • Bei der Auswertung der Tabelle, die die Lehrkräfte ausgefüllt haben wurden die einzelnen Ergebnisse innerhalb der Klasse zu einem Mittelwert zusammengefasst und dann die Veränderung innerhalb der aktiven Projektphase erfasst.

Auswertung der Evaluation

Die Ergebnisse der Schülerfragebögen werden innerhalb der Items dargestellt.

Zu A. Kreativität

Im Item Kreativität zeigte der Vergleich der Daten vom Oktober zu Juli aller drei Operas, dass die Schülerinnen Schüler sich in ihrer Selbsteinschätzung überwiegend gleich bewertet haben. Es gab keine relevanten Änderungen. Die Abweichungen ähneln dem Ergebnis der Kontrollgruppen.

So wurde der Bereich Kreativität nicht durch die Museumsbesuche beeinflusst.

Eine Klasse zeigte einen signifikanten Anstieg bei diesem Item, sie hatte allerdings auch drei Angebote gewählt, die das eigene künstlerischen Arbeiten förderten.

Zu B. Sensibilisierung für den eigenen künstlerischen Ausdruck

Das Ergebnis in diesem Bereich B ist auffallend. Bei der Selbsteinschätzung der Jugendlichen blieben die Werte weitgehend gleich. Bis auf zwei Einzelwerte lagen die Werte immer unter dem signifikanten Bereich. Während die Lehrkräfte achtmal eine signifikante Veränderung beobachteten.

Im Vergleich der Ergebnisse der teilnehmenden Gruppe zur Kontrollgruppe zeigten die Werte jedoch deutlich, dass die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler deutlich mehr für den eigenen künstlerischen Ausdruck sensibilisiert waren.

Zu C. Interkulturelle Lebenszusammenhänge

Hier sind in jeder Klasse, in mindestens einem der 3 Operas eine signifikante Verbesserung der Werte zu erkennen, sowohl im Vergleich innerhalb einer Klasse von Oktober zu Juli, als auch im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Eine Ausnahme innerhalb der Kontrollgruppen sind hier zwei Klassen, die sich über den Lehrplan und durch das Interesse des Lehrers bedingt in diese Thematik deutlich eingearbeitet hatten, und somit zu ähnliche Ergebnisse aufzeigen konnten, wie die teilnehmenden Klassen.

Zu D. Soziokulturelle Bildung

In diesem Bereich sind ebenfalls in jeder Klasse, in mindestens einem der i3 Operas eine signifikante Verbesserung der Werte zu erkennen, sowohl im Vergleich innerhalb einer Klasse von Oktober zu Juli, als auch im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Die Bewertung durch die Lehrkräfte

Bei 7 von 10 Kassen ist in der Beobachtung der Mittelwerte aller Schüler einer Klasse je Kalenderwoche eine stetig sich verbessernde Bewertung seitens des Lehrers/ der Lehrerin zu beobachten.

Bei Klassen, deren Lehrkräfte während des gesamten Schuljahres ohne längere Fehlzeiten in der Klasse waren und somit kontinuierliche beobachten konnten, zeigt sich ein besonders stringenter Verlauf.

Bei der Einzelauswertung von T10 (Klasse), zeigt sich auch eine signifikante Steigerung der Ergebnisse in den Items A und B. Das steht in Korrelation zu den gebuchten Lektionen, die diese Lehrkraft mit der Klasse besuchte.

Auffällig ist die Beobachtung bei einer Klasse T9, hier war die Lehrkraft 2 Wochen nicht in der Klasse und nach der Pause sanken insgesamt die Werte der Klasse ab. Das kann zum einen mit der wieder „neuen“ Situation der Lehrkraft und der Klasse zusammenhängen, oder aber mit der Erfahrung ständig neuer Lehrer und Lehrerinnen in der Vertretungssituation und die Auswirkung dessen auf die Klasse.

Die Lehrkräfte beurteilten die einzelnen Schülerinnen und Schüler ausgewogen, so gab es einige Schülerinnen und Schüler, die einen deutlich höheren Erkenntnisgewinn hatten, als andere. Aber es gab auch Schülerinnen und Schüler, die bis zum Ende des Projektes durchgehend gleich durch die Lehrkraft beurteilt wurden. Beim Vergleich zu deren eigenen Fragebögen ergibt sich eine sehr ähnliche Selbsteinschätzung.

Die Schülerinnen und Schüler haben sich insgesamt weniger Veränderung zugestanden, als die Lehrkräfte beobachtet haben.

Die Auswahl der Lektionen hatte einen großen Einfluss auf die Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler. So konnten die Klassen, die mehrere Angebote des KPZ zur Geschichte des Nationalsozialismus gebucht hatten, über die Lektionen einen Zuwachs im Erkennen von interkulturellen Zusammenhängen feststellen, den die Schülerinnen und Schüler selbst erkannten.

Zu diesem Item bemerkten zwei Lehrkräfte, die mit ihren Schülerinnen und Schüler entsprechende Angebote wahrgenommen hatten, den Ausbau der Sprachfähigkeit innerhalb des Themas, den sie auf die Gespräche mit den Museumspädagogen/ der Museumspädagogin zurückführten.

Deutlich auffällig ist, dass die Klassen, in denen die Lehrkraft sich intensiv auf das Projekt eingelassen hat, die Ergebnisse beider Evaluationsbereiche deutlich ähnlicher sind, als in den Klassen deren Lehrkraft kein so hohes Engagement zeigte.

Schlussfolgerungen

Die Auswahl der Veranstaltungen nahm direkten Einfluss auf die Ergebnisse.

Wurden z.B. viele Lektionen im künstlerischen Bereich wahrgenommen stieg in dieser Klasse das Item der Kreativität insgesamt an. Das gilt auch für die anderen Items.

Die Begegnung mit Originalen in ästhetisch gestalteten Räumen nimmt Einfluss auf das eigene Wahrnehmen von Ästhetik.

Die Auseinandersetzung mit Kultur fördert kritisches Denken, bietet die Möglichkeit im Austausch über die Objekte die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. Eine Offenheit gegenüber Fremden kann entstehen und Vorbehalte gegenüber fremden Räumen oder auch fremder Kultur abgebaut werden. Damit verbunden wird auch die Selbstreflexion gefördert.

Ein deutlicher Unterschied war zwischen den jüngeren und den älteren Klassen erkennbar, der Einfluss der Angebote des Projektes sank mit zunehmenden Alter der Klassen.

Unabhängig von den Fragebögen, haben die Schülerinnen und Schüler durch das Projekt Fähigkeiten erlangt, die sie so im Unterricht nicht erworben hätten, z.B. die Aneignung des für die meisten „fremden“ Raumes, die Sicherheit im Umgang mit Museumsregeln oder das Wissen um die Vielfältigkeit der Themen die Museen haben können.

Das Verlassen des Schulortes und ein, oft erneutes Betreten, eines Museumsraumes, mit dem Bewusstsein, hier nicht zu dem üblicherweise verkehrenden Publikum zu gehören, ist für die Teilnehmenden in den Klassen oft mit Unsicherheit einhergegangen, die sich dann in Selbstsicherheit oder Selbstbewusstsein gewandelt hat. Das ist allerdings nur über die Beobachtungen der Museumspädagoginnen und Museumspädagogen und der Lehrkräfte im Gespräch zu evaluieren gewesen.

Je älter die teilnehmenden Klassen waren, um so höher war die Hemmschwelle des Museums. Auffällig dabei war, dass das Germanische Nationalmuseum und das Fembohaus eine größere Fremdheit hervorriefen, als Museen mit spezifischen Themen, wie z. B. das Museum für Kommunikation oder das Zentrum Industriekultur. Ebenso bewusst wurde auch der Unterschied zwischen dem „eigenen Leben“ und der Umgebung des Museum erlebt. Es lag vor allem an der vertrauten Museumspädagogin oder dem Museumspädagogen die Unsicherheit und Fremdheit hier abzubauen.

Die Anerkennung für diese erbrachten Leistungen bekamen die Museumspädagoginnen und Museumspädagogen bei den sehr persönlichen Verabschiedung nach einem Jahr gespiegelt.

Fazit

Die Ergebnisse zeigen, dass über den Kontakt mit Kunst und Kultur nicht innerhalb eines Jahres Berge versetzt werden können, aber dass ganz realistisch, viele kleine Steine verschoben werden können bzw. ins Rollen gebracht werden können. Der intensive Kontakt mit kulturellen Angeboten im Museum wirkt sich positiv auf die Jugendlichen aus, der Effekt wird um so deutlicher, je engagierter die Lehrkraft sich in die Projekte mit einbringt und auch offen ist für Neues. Die Lehrkraft muss auch bereit sein, ihren Unterricht auf das Projekt auszurichten, bzw. das Projekt Einfluss auf das Geschehen im Klassenzimmer nehmen zu lassen.

Die Schülerinnen und Schüler werden in ihrer individuellen Entwicklung gefördert, je nach Schwerpunkt der besuchten Veranstaltungen.

Je spezifischer die Angebote eingegrenzt werden, um so höher steigt der Einfluss innerhalb dieses Bereiches an.

Um auf die ausgehende Fragestellung nach der Förderung der eigenen Kompetenz der Lebensbewältigung einzugehen, um diese zu fördern bedarf es einer genauen Analyse der Defizite, um danach speziell zu diesem Bereich kongruierende Veranstaltungen in der Museumspädagogik auszuwählen, die dann die erwünschte Weiterentwicklung initiieren.


 

ARCHIV

10 x 10 ins Museum geh´n! - Kurzer Bericht über ein KPZ-Projekt

September 2009 bis Juli 2010

von Astrid Seichter

 

Projektbeschreibung

1. Ausgewählte Klassen aus Förderschulen sollten die im Schuljahr 2009/10 die Möglichkeit haben, ausreichend viele KPZ - Veranstaltungen im Rahmen ihres Unterrichts zu nutzen. Als Richtgröße wurden 10 Veranstaltungen pro Klasse veranschlagt.

2. Jede Gruppe wird durchgehend jeweils von einer Museumspädagogin betreut, die alle Veranstaltungen übernimmt. Damit soll ein kontinuierliches, an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtetes Arbeiten gewährleistet werden.

3. Kosten für Eintritte und museumspädagogische Betreuung werden von einem Sponsor übernommen.

4. Auswertungsgespräche begleiten das Projekt.

 

Ziel

Die Veranstaltungsreihen beabsichtigen eine nachhaltige kulturpädagogische Förderung durch Impulsveranstaltungen und nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des außerschulischen Lernorts Museum.

Nachhaltige kulturelle Bildung ist gerade für Kinder aus sozial benachteiligten, bildungsfernen Schichten von großer Bedeutung. Sie unterstützt die Kinder in ihrer individuellen Entwicklung und wirkt sozialer Ausgrenzung entgegen. Museen als Orte der Bildung und Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe bieten besonders vielfältige Möglichkeiten, eigenständiges Lernen zu fördern, kreative Fähigkeiten zu entwickeln und den kulturellen Horizont zu erweitern.

Kinder in Förderschulen stammen zu einem Großteil aus sozial benachteiligten Familien und sind mit Entwicklungs- und/oder Lernhemmnissen belastet.

 

Teilnehmende

123 Kinder aus 10 Klassen aus sechs Förderschulen aus Nürnberg und Fürth

insgesamt 12 Lehrerinnen, mehrere pädagogische Hilfskräfte zur Begleitung der Gruppen, sechs Museumspädagoginnen, die Evangelische Hochschule Nürnberg zur Unterstützung der Evaluation, eine Projektleiterin

Die Partnerschulen liegen zum Teil in innerstädtischen sozial schwierigen Stadtteilen

Die betreffenden Förderschulklassen haben einen hohen Anteil von Schülern/Schülerinnen mit Migrationshintergrund.

 

Auswertung

Zur Auswertung basierend auf Evaluationsbögen der Zwischenauswertung und den protokollierten Interviews mit den Lehrerinnen und den Museumspädagoginnen.

  • Sicherheit und Selbstbewusstsein

Die Klassen haben 10 mal innerhalb des Schuljahres das sichere Gebäude Schule verlassen. Die Lehrerinnen haben deutlich gemerkt, wie sich die Kinder zunehmend kompetenter in der Stadt Nürnberg orientiert haben. Gleich zu Beginn des Projektes stellten einige Lehrerinnen fest, dass ihre Schülerinnen und Schüler, obwohl sie überwiegend aus der Südstadt kommen, die Sebalder Altstadt nicht bekannt war. Der schöne Ausspruch: „Ich wusste gar nicht, dass Nürnberg so schön ist!“, sagt hier alles aus.

  • Museum als bekannter Ort

Die Klassen konnten Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Museen herstellen, unabhängig von den ausgestellten Objekten erkannten sie die Museumsregeln und den Gedanken des Weitergebens von Informationen. Dabei entwickelten die Klassen unabhängig voneinander einen eigenen Qualitätsstandard.

  • Sprachliche Leistung

Förderschüler haben oft einen Förderbedarf im Bereich der Sprache. Fast alle Schülerinnen und Schüler konnten die zum Teil doch schwierigen Namen der Museen auswendig. Auch der allgemeine Wortschatz wurde erweitert. Märchen wurden jetzt besser verstanden, da durch den Museumsbesuch Begriff, Märchen und Gegenstände (der große goldverzierte Spiegel) zusammen eine Einheit bildeten.

  • Kulturelle Verbindung

Das Wissen um Könige, Kaiserinnen und Prinzen stellt kaum jemand in Fragen, aber für etliche Kinder waren diese Begriffe nicht kulturell verankert und Märchen können so kaum verstanden werden. Nach den entsprechenden Lektionen im GNM berichteten die Lehrerinnen, dass die Kinder die Märchen intensiv weiterspielten.

  • Rückfluss in die Gesellschaft

Die Kinder haben zu Hause von den Museumsbesuchen erzählt, denn es sind immer wieder Informationen von den Kindern mitgebracht worden. Es wurden Verknüpfungen zu Museen in Urlaubsorten hergestellt. Viele Kinder berichteten auch, dass sie am Mittwochabend im GNM  (kostenfreier Eintritt) waren oder das Eisenbahnmuseum mit den Eltern aufgesucht hatten.

  • Wertschätzung alter Dinge

Die Kinder entwickelten ein Wertebewusstsein zu alten Dingen. Da diese nicht ersetzbar ist muss darauf aufgepasst werden. Diese Gespräche waren nicht von den Lehrerinnen angeleitet worden, sondern die Kinder haben sie als eigenständigen Transfer geführt.

  • Erlernen von Konventionen

Es gibt klare Regeln im Museum. Alle Klassen konnten die Regeln benennen und begründen. Sollten die Schülerinnen und Schüler in andere Museen gehen, wissen Sie wie man sich hier zu verhalten hat, dieses Wissen gibt Sicherheit, und damit ist die erste Hemmschwelle, die einen Museumsbesuch verhindert, schon abgebaut. Das Museum wird immer noch als elitärer Ort gesehen, die Kinder haben bewusst damit angegeben, aber er ist vertraut. Dabei wurden die Regeln gut angenommen. Die Lehrerinnen, die im Unterricht oft mit Regelbrüchen zu tun haben, erzählten begeistert von der Bereitwilligkeit die Museumsregeln zu beachten.

  • Fähigkeit Erlerntes zu übertragen

Viel Wissen wurde vom Lernort Museum in die Klassenzimmer mitgenommen. Es floss in die Unterrichtsgespräche mit ein. Auch die kleinen Begebenheiten, wie die neuen Wörter sind in den Schulalltag übertragen worden.

  • Kompetenz sich in fremden Räumen zu orientieren

Das GNM hat einen Orientierungsplan für die Museumsbesucher, die Kinder haben nach dem Jahr ihr Museum im Kopf. Zielsicher gehen sie Wege und wissen, wo sie abbiegen müssen um zum „Ritter Rost“ zu kommen.

  • genaues konzentriertes Sehen

Die Schülerinnen und Schüler wurden angeleitet genau zu schauen. Das Betrachten von Bildern und Gegenständen aller Art gehörte zu jeder der 10 x 10 Veranstaltungen dazu. Alle Lehrerinnen berichteten von einem wesentlich genaueren Hinsehen, auch bei Spaziergängen in der Natur oder dem Betrachten von Bildern in Schul- oder Märchenbüchern.

  • Museum als Ort, der begeistert

Eine der Lehrerinnen empfand den Gedanken 10 mal ins Museum zu gehen am Anfang des Schuljahres auch eher anstrengend, ebenso wie ihre Schülerinnen und Schüler. Am Ende des Jahres war sie, wie die Klasse zu Fans umgewandelt. Museum, das macht Spaß, oder wie ein Schüler einer anderen Klasse sagte:“Wenn es mir mal langweilig ist, dann gehe ich ins Museum“. Die Museen in Nürnberg wurden zu Orten, an denn man sich Wissen spielerisch aneignen konnte.

  • nicht alles abfragbar

Es wurde von den Lehrerinnen angemerkt, dass nicht alles abfragbar sei, was die Kinder mitnehmen, denn sie haben erlebt, dass sie im Museum willkommen waren, dass alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Museum freundlich auf sie reagiert haben. Diese Wertschätzung werden Sie mitnehmen als ein Gefühl des Angenommen-werdens – nicht nur im Museum. Hier ist für viele Kinder ein Anker für die kulturelle Welt gesetzt worden.

 

Rückmeldung zu den Museumspädagoginnen und dem KPZ

Gelobt wurde von allen Seiten das gut angepasste Sprachniveau der Museumspädagoginnen. Besonders hervorgehoben wurde, dass die Museumspädagoginnen trotz vieler Nachfragen und Zwischenfragen den roten Faden der Veranstaltung nicht aus den Augen verloren haben. Die Museumspädagoginnen haben zum großen Teil das Projekt auch als eine persönliche Herausforderung gesehen. Der Blick auf die Kinder hat sich geändert, das Wissen um die Hintergründe der Kinder hat den geduldigeren und offeneren Zugang zu den Kindern ermöglicht, auch eine neue Gesprächsbereitschaft , die von den Kindern auch mit größerer Gesprächsbeteiligung honoriert wurde.

Sicherlich sind die Lehrerinnen pädagogische Fachkräfte, durch die Situation an den Schulen besteht jedoch selten die Möglichkeit der gegenseitigen Hospitation und Reflexion. Das Projekt hat den Lehrerinnen genau diese Möglichkeit gegeben. Sie konnten Einblick  in ein anderes pädagogische Arbeiten gewinnen und die Schülerinnen beobachten, ohne in der aktiven Rolle der Unterrichtenden zu sein.

Die Organisation des Projekts wurde durchwegs gelobt. Das KPZ als kompetenter Partner in Museen, auch für Förderschülerinnen und Förderschüler erkannt und geschätzt.

 


Kurze Statistik

93 Veranstaltungen von 100 möglichen Veranstaltungen wurden gebucht.

Es wurden Veranstaltungen aus 14 verschiedenen Bereichen des KPZ-Angebots gebucht.

Insgesamt wurden 45 verschiedene Lektionen von den Lehrerinnen gewählt.

10 verschiedene Museen wurden insgesamt von den Klassen aufgesucht.

Eine Gruppe lernte 7 verschiedene Museen kennen.

 

Fazit

Die Ergebnisse der Gespräche und der Evaluationsbögen der Zwischenauswertung geben einen Einblick, wie sich die intensiven Begegnungen mit Museen nachhaltig auswirken können. Die 123 Kinder haben dieses Schuljahr, in der Vielzahl der Schuljahre, sicherlich besonders in Erinnerung als das Schuljahr, in dem wir in den Museen waren.

Der am Anfang des Projekts formulierte Satz “Die Kinder sollen in den Museen heimisch werden“, ist für die Kinder  Realität geworden. Ein Kind formulierte seinen Wunsch an das Projekt: „Jetzt möchte ich auch mal eine Nacht im Museum schlafen.“ Hier soll die Freundschaft mit dem Museum, wie mit der Freundin, dem Freund intensiviert werden.

Wenn möglich, werden die Kinder noch mal in einem  oder zwei Jahren befragt, um so zu überprüfen, welche mittelfristigen Wirkungen zu erkennen sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zum Seitenanfang Seite weiterempfehlen Stand: 11.06.2013, 14:53 Uhr

 

Logo Stadt Nürnberg Logo GNM Das Kunst- und Kulturpädagogische Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ)
ist eine gemeinsame Einrichtung der Stadt Nürnberg und der Stiftung Germanisches Nationalmuseum.