Colour Crush
21.3.2026 - 7.6.2026

Die Ausstellung „Colour Crush“ rückt die Farbe in den Mittelpunkt – nicht nur als visuelles Phänomen, sondern als komplexes Medium. Farbe besitzt Textur, sie reflektiert und erzeugt Licht, sie tritt in Resonanz mit Raum und Oberfläche. Sie transportiert Emotionen, verändert Atmosphären, trägt kulturelle Bedeutungen, symbolische Botschaften und historische Traditionen in sich.
Farbe steht in der neuen Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg im Zentrum – nicht nur als visuelles Phänomen, sondern als eigenständiges gestalterisches Medium. Farbe ist mehr als Oberfläche: Sie besitzt Materialität, reflektiert und erzeugt Licht und steht in unmittelbarer Wechselwirkung mit Raum und Architektur. In „Colour Crush“ erscheint Farbe als raumbildendes Medium: Sie prägt Atmosphären, beeinflusst Wahrnehmungsprozesse und kann emotionale Reaktionen auslösen. Zugleich verweist Farbe auf kulturelle Bedeutungen, symbolische Kontexte und historische Traditionen. In einer zunehmend digitalisierten Lebenswelt setzt „Colour Crush“ bewusst auf das unmittelbare, sinnliche Erleben von Farbe und macht ihre körperliche Präsenz und emotionale Wirkung im Raum erfahrbar.
Farbe als Material unterscheidet sich grundlegend von einer rein optischen Erscheinung. Erst durch ihre konkrete Anwendung – Pigmente, Trägermaterialien, Lichtquellen und räumliche Kontexte – wird sie zu einem eigenständigen Medium, das Bedeutung erzeugt. In der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts wird Farbe zunehmend als eigenständige Ausdruckskraft verstanden. Rupprecht Geiger (1908–2009) steht exemplarisch für diese Entwicklung: In seinem Werk wird Farbe als autonome Präsenz, durch intensive Leuchtkraft und räumliche Präsenz erfahrbar.
Die für „Colour Crush“ aus dem Archiv Geiger entliehenen Arbeiten aus den Jahren 1969 bis 2005 bilden den Resonanzboden für aktuelle künstlerische Positionen. Während Rupprecht Geiger Farbe überwiegend im monochromen Feld und ohne figurative Bezüge als unmittelbare Erfahrung einsetzt, arbeiten die eingeladenen zeitgenössischen Künstler*innen mit einer Vielfalt an Medien und Materialien. Pastose Farbschichtungen, raumgreifende Installationen, Glasarbeiten, gebatikte Seidenstoffe oder Neon-Arbeiten zeigen, wie Farbe heute eingesetzt wird, um Räume zu strukturieren, Wahrnehmung zu lenken und Atmosphären zu erzeugen. Zahlreiche Arbeiten wurden ortsspezifisch entwickelt und reagieren unmittelbar auf die Architektur der acht Oberlichtsäle der Kunsthalle Nürnberg.
Die Werke von Kirstin Arndt, Rana Begum, Matti Braun, Sophie Herz, Erika Hock, Franziska Holstein, Christof John, Schirin Kretschmann, Zora Kreuzer, Sebastian Kuhn und Kai Schiemenz untersuchen Farbe als Substanz, Lichtträger und raumbildendes Element. Sie zeigen, wie Farbe zwischen materieller Präsenz und atmosphärischer Wirkung vermittelt und dabei sowohl sinnlich erfahrbar als auch konzeptuell präzise eingesetzt werden kann. Gemeinsam eröffnen die Arbeiten unterschiedliche Perspektiven auf Farbe als aktiven Bestandteil künstlerischer Produktion. Der Ausstellungstitel spielt dabei zugleich auf die intensive Verdichtung von Farbe und auf ihre unmittelbare emotionale Wirkung an – ein visueller wie emotionaler Colour Crush.

Christof John: Ohne Titel (HT I), 2025.
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